Uni Flensburg

Buhrufe für de Jager bei Richtfest in Flensburg

09. Juni 2010 | 17:40 Uhr | Von Timo Lindemann, dpa

Buhrufe beim Richtfest. Stundenten protestierten gegen die Kürzungen an der Flensburger Uni. Foto: dpa

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Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) feiert das Richtfest eines neuen Uni-Gebäudes und streicht gleichzeitig ganze Studiengänge an der Uni Flensburg.

Mit Buhrufen ist Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU) am Mittwoch auf dem Richtfest zum Erweiterungsbau der Universität Flensburg empfangen worden. Rund 300 Studenten protestierten für den Erhalt der Uni Flensburg als eigenständige Hochschule. Nach den Sparplänen der Landesregierung in Kiel sollen in Flensburg die Wirtschaftswissenschaften gestrichen werden. Das in einer öffentlich-privaten Partnerschaft gebaute und betriebene Gebäude kostet rund 13 Millionen Euro. Es soll im Oktober fertig sein und unter anderem Verwaltung und Seminarräume beherbergen. "Das Richtfest zeigt, dass die Landesregierung an den Standort glaubt", betonte de Jager.

Nach einem Minuten dauernden Pfeifkonzert stellte sich der Minister den kritischen Fragen der Studenten. "Die Operation heißt Spar-Haushalt. Wir wollen die Uni Flensburg auf das Markenzeichen Lehramtsausbildung konzentrieren. Der Schritt ist richtig", verteidigte der Politiker die Entscheidung. Zuvor hatten die Demonstranten nach den Klängen von "An der Nordseeküste" gesungen: "In der Bildungswüste, im norddeutschen Land, ist de Jager Minister, dem fehlt's an Verstand." Der Minister konstatierte: "Sie waren laut, aber freundlich. Das führt aber nicht dazu, dass wir von unserer Meinung abrücken."

"Bildung ist unsere Zukunft!"

In einem gemeinsamen Appell forderten Landeselternvertretungen und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), den Sparhammer nicht bei der Bildung anzusetzen - im Gegenteil. "Bildung ist unsere Zukunft! Deshalb muss mehr und nicht weniger als bisher in Bildung investiert werden", hieß es darin.

Bereits am Mittag waren im Norden hunderte Schüler und Studenten für bessere Bildung auf die Straße gegangen. In Flensburg kamen nach Polizeiangaben mehr als 800 junge Menschen dem Aufruf zum Streik nach. Sie forderten auch kostenlose Bildungsangebote von der Kindertagesstätte bis zur Hochschule.

Hamburg: Kreuzungen blockiert

In Hamburg demonstrierten rund 100 Studenten für eine bessere Bildungspolitik. Nach Angaben der Polizei blockierten sie vorübergehend zwei Kreuzungen in der Nähe der Universität, um gegen Studiengebühren und die Neuordnung der Studienabschlüsse mit Bachelor- und Master-Graden zu protestieren.

Blickfang der Flensburger Demonstration waren zwei mehrere Meter hohe Puppen und ein rund zwei Meter im Durchmesser großer, aufgeblasener Rettungsring mit der Aufschrift "Rettet die Bildung". Mit einem Musikwagen wie auf der Loveparade und einem Trillerpfeif-Konzert zogen die Studenten vom Campus über zentrale Orte in die Flensburger Innenstadt. Sie plädierten für eine grenzüberschreitende Bildungsregion Flensburg bis nach Dänemark. An der Demonstration beteiligten sich auch Grundschulkinder. An einem zentralen Platz führte eine rund zehn Minuten dauernde Sitzblockade zu Verkehrsbehinderungen und Staus. Die Polizei begleitete die Demonstration mit dutzenden Beamten.


 

Leserkommentare

 
EMÖKE KOVAC 18.06.2010 10:04
Zwietracht säen

"Wer jetzt pfeift, der bringt der Fachhochschule und der Lehrerausbildung nicht genügend Wertschätzung entgegen." Aha, Herr de Jager. Wer über die Amputation der linken Hand jammert, freut sich wohl nicht genug über die Rechte. Im Asterixheft wären Ihre Sprechblasen giftgrün.
Immer schön Zwietracht säen, damit keiner merkt, wie wertvoll die Kooperation zwischen FH und Uni sowie zwischen den Instituten ist. Keine schlechte Taktik, nur etwas zu perfide für jemanden, der die Gesellschaft eigentlich zusammenhalten statt spalten soll.



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