Bürgerbegehren erwartet

Baut Hamburg die Katharinen-Kirche zu?

11. März 2010 | Von mlo;

Ein Baukonzern möchte an der Willy-Brandt-Straße einen Komplex für Wohnungen und Büros errichten- jetzt droht ein Bürgerbegehren.

So könnte die Marienkirche zwischen den Bürokomplexen verschwinden.

Als vor einigen Jahren plötzlich ein klotziger Büroneubau den Blick auf den Hamburger Michel (St. Michaelis) versperrte, schworen sich nicht nur Traditionalisten: "Nie wieder." Doch jetzt droht nur ein paar hundert Meter weiter östlich einer anderen Hauptkirche ein ähnliches Schicksal. Der Baukonzern Hochtief möchte an der Willy-Brandt-Straße einen Komplex für Wohnungen und Büros errichten. Das 25 Meter hohe Bürohaus würde dabei wie ein Riegel vor St. Katharinen liegen und von der City aus die Sicht auf die ehrwürdige Hafenkirche fast völlig verstellen.

Wegen der hartnäckigen Bedenken von Projektgegnern hat der Bauherr seine Entwürfe kürzlich abgespeckt. Der Büroriegel soll nun etwas niedriger ausfallen und unter anderem durch einen gläsernen Spalt Durchblicke auf die Kirche ermöglichen. "Eine unglaublich geniale Idee", findet Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Das Bürohaus sichere den Lärmschutz für zwei Wohnhäuser, die dahinter entstehen sollen.

"Eine Kirche darf nicht zugebaut werden"

Die Kritiker winken dennoch ab. Eine derartige Schlüsseloch-Lösung mit nur wenigen Sichtachsen zur Hauptkirche ist ihnen nicht genug. Die Interessengemeinschaft (IG) Katharinenquartier droht mit einem Bürgerbegehren, sollten die Pläne Bestand haben. "Das ist wie bei David gegen Goliath", bemüht IG-Sprecher Andreas Ackermann ein biblisches Bild für das Ringen mit dem Bauriesen. Selbstbewusst erinnert er an den Ausgang des alttestamentarischen Zweikampfs: "Wir wissen ja, wie das endete."

An der Spitze des Widerstandes steht die Hausherrin von St. Katharinen persönlich. "Auch den aktuellen Bauplänen kann der Kirchenvorstand nicht zustimmen", weist Hauptpastorin Ulrike Murmann den neuen Entwurf zurück. Der sechsgeschossige Büroriegel sei nach wie vor zu hoch und zu massiv. Auch kirchenfernen Bürgern sei es "ganz und gar unverständlich, wie man vor eine alte und schöne Kirche ein Bürogebäude setzen kann", sagt die Pröpstin des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Sie fordert: "Eine Kirche darf nicht zugebaut werden."

Entschieden ist noch nichts, Hochtief gibt sich gesprächsbereit

Murmann sieht Parallelen zum Streit um andere aktuelle Hamburger Großprojekte wie im Gängeviertel und auf St. Pauli. Erneut stehe ein Stück Hamburger Identität auf dem Spiel. Die Kirchtürme von St. Michaelis, St. Nikolai und eben St. Katharinen "schenken der Willy-Brandt-Straße eine Dimension, die zur Seele der Stadt gehört", findet die Hauptpastorin. Die Gotteshäuser symbolisierten "das Gedächtnis Hamburgs".

Entschieden ist noch nichts, Hochtief gibt sich gesprächsbereit. Auch die neuen Pläne müssten keineswegs das letzte Wort sein, sagte eine Sprecherin. Ende März beginnt im Bezirk Mitte die Auslegung der Planunterlagen. Ob und wie gebaut wird, bestimmt am Ende die Politik, vermutlich sogar auf Senatsebene. Es war die Finanzbehörde, die Hochtief das Grundstück zum Bau an die Hand gegeben hat.

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