Ausacker Openair: Geburt eines Wunderkinds
Ihnen verdankt das Publikum, dass alles reibungslos lief: die 98 freiwilligen Helfer des Openairs. Foto: Kaminski
Der 18. Juli 2009 wird wohl für immer ein Meilenstein in der Dorfchronik von Ausacker, einem beschaulichen Örtchen im Herzen Angelns, bleiben. Und das völlig zu Recht. Es ist die Geburtsstunde eines regionalen Ereignisses, das allen, die dabei waren, noch lange in freudiger Erinnerung bleiben wird. Die Rede ist vom 1. Ausacker Open-Air-Festival - kurz AOA. Eine Geburt, die so perfekt geplant und organisiert war, dass nur ein "Wunderkind" das Scheinwerferlicht der Welt erblicken konnte.
So etwas passiert, wenn acht musikbesessene Nachbarn ein ganzes Dorf mit ihrer Vision von einem Festival infizieren - dem AOA-Virus. Hochgradig ansteckend. Zumindest bei fast 3000 Besuchern, die sich freiwillig diesem Risiko aussetzten.
Doch der Reihe nach im Geburtsprotokoll: Sonnabend, 12 Uhr mittags. High noon in Ausacker. Die Straßen leergefegt, die Rasenflächen kurz gemäht. Welch eine trügerische Ruhe vor dem erwarteten Sturm. Außer in der Mühlenstraße auf Bauer Brixens Wiese. Bässe beben, Trommeln donnern, Gitarren heulen. Soundcheck auf dem AOA-Festivalgelände. Kein Problem für den "Tec-Doc" am Mischpult, Holger Heisinger.
Derweil versammeln sich vor der Bühne, die einst in Flensburg auf dem Eckener-Platz Joe Cocker ins Wanken gebracht hat, alle freiwilligen Helfer zu einem Gruppenfoto. Eine echte Herausforderung für Fotograf Steffan Kaminski, 98 Menschen "in den Kasten zu bekommen". Für die nächsten Stunden wird diese bärenstarke AOA-Crew einen reibungslosen Festivalablauf garantieren.
Punkt 13 Uhr ist Einlass für die Besucher am Checkpoint. Als erster betritt Felix staunend das AOA-Gelände. Stolz präsentiert der musikbegeisterte Schüler aus Wielenberg seine Eintrittskarte. Für ihn ist es der erste Festivalbesuch. Was für ein Start in die Sommerferien 2009!
Kurz vor 14 Uhr steigt die Spannung, der Countdown läuft für die offizielle Eröffnung. Ausackers Bürgermeisterin Anke Dogs tritt ans Mikrofon und heißt alle, die zum ersten AOA erschienen sind, herzlich willkommen. Man spürt, dass auch ihr dieses Festival ans Herz gewachsen ist.
Die Moderation zwischen den kurzen Umbauphasen übernimmt Birte Jansen. Gekonnt kündigt sie die Bands, die im 30-Minuten-Takt auftreten, an. Bis zum Abend erhalten sieben regionale Gruppen die Möglichkeit, sich und ihre Musik vor einem großen Publikum zu präsentieren. Dieses kommt aus dem Staunen nicht mehr raus und darf sich über die bunte Mischung verschiedenster Stilrichtungen freuen. Ob selbstkomponiert oder gecovert: Jede Band nutzt ihre Chance, die AOA-Besucher für sich zu gewinnen. Gegen das obligatorische Lampenfieber hilft die Parole "Lächeln und Spaß haben". Und den haben alle, die an diesem Tag in Ausacker auf der Bühne stehen (oder sitzen). "Under Pressure" mit Coversongs im Stile von "Green Day" und "Blur". "Schrägwandprinzip" mit schrägen Eigenkompositionen und provokativen deutschen Texten, die an "Ton, Steine, Scherben" erinnern. "Born to be wild". Der Rockklassiker in der Version von "Public Session" wird ob einer überzeugenden Gesangsleistung von Lilith und Patrick zum Publikumsrenner. Den drei Musikern vom "Terminal" mangelt es nicht an Überzeugungskraft. Sie locken ihre Fans mit härterem Rock noch dichter an die Bühne. "Wir beißen nicht. Wir wollen nur spielen!" "Secret Tunation" glänzen mit präzisem Gitarren-Zusammenspiel und mehrstimmigem Gesang. Gänsehaut-Feeling. Und "Tuna", die Band um Sängerin Melina, haben mit eingängigen Rock- und Popsongs sicherlich neue Fans dazu gewonnen.
Ganz oben in der Gunst des Publikums stand der Auftritt von "Crash Kurs" und ihrem Dreifach-Leon. Unverkennbar ihre Vorliebe für den Hardrock der 70er. Leon Kraacks Gitarrensolo beim Titel "Hai" erinnerte verdächtig an Led Zeppelin.
Das Abendprogramm des AOA war dann den Lokalmatadoren Ausackers vorbehalten. "Outfield Westwood" sorgten in angemessenem Outfit für Partystimmung vor der Bühne. "The Boxer" als Schottenrock. Genial einfach. Einfach genial der Auftritt von "Wonderfool". In erfrischender Spiellaune begeisterte die Band um Rockröhre Birga Görtz mit ihrem exquisiten Coverprogramm. Als Höhepunkt ihres Sets intonierten sie "With a little help of my friends". Joe Cocker wird es gefallen haben.
Kurz vor 23 Uhr erstürmten die sechs "Crazx Neighbours" die Bühne und brachten mit ihren Partysongs die Stimmung im Publikum zum Kochen. Am Ende blieb tosender Applaus. "Das war’s. Danke, dass ihr hier ward. Good bye!"
HOLGER HELDT
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