Pflege-Tüv

Aufstand der Seniorenheime

22. Dezember 2009 | 07:00 Uhr | Von Margret Kiosz

Was muss Pflege leisten? In Schleswig-Holstein wehren sich die Einrichtungen gegen schlechte Beuurteilungen. Foto: dpa

Eigentlich sollten die Prüfergebnisse von 100 Pflegeheimen ins Internet gestellt werden. Doch die Einrichtungen gehen auf die Barrikaden.

Auf der Webseite www.pflegelotse.de waren am Nachmittag  erst 40 Berichte  des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) einzusehen. Der Grund: Zahlreiche Einrichtungen haben Einspruch gegen die Bewertungen erhoben und über zwei Hamburger Anwaltskanzleien die Veröffentlichung verhindert.

Rund 158 der 651 stationären Heime im nördlichsten Bundesland hat der MDK seit Juni im Rahmen der bundesweit einheitlichen Qualitätsrichtlinie unangekündigt geprüft und benotet. Die Bewertung in Schleswig-Holstein fiel  dabei wesentlich schlechter aus als im Bundesdurchschnitt. Nach Angaben des Verbandes der Ersatzkassen (VDEK) erhielten nur sechs Heime die Note "sehr gut". Neun  Heime  wurden sogar mit der Gesamtnote "mangelhaft" beurteilt.  Bei zahlreichen anderen Trägern hagelt es "Fünfen" in den Kategorien soziale und medizinische Versorgung  der Pflegebedürftigen sowie Betreuung von Demenzkranken. "Die Einrichtungen sollten dieses Ergebnis ernst nehmen und nicht gleich das gesamte Transparenzverfahren in Frage stellen", appellierte  Ersatzkassenchef Dietmar Katzer an die Heimträger.

"Dann sind Gerichtsverfahren notwendig"

Doch die laufen Sturm gegen den Pflege-Tüv. Nach Ansicht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes  wird das Notensystem der Wirklichkeit nicht gerecht und trägt dazu bei, Betroffene zu verunsichern. "Diese Berichte beurteilen eher den Zustand von Dokumentationen und die formalen Abläufe in den Einrichtungen als den Zustand und die Zufriedenheit der Menschen", sagte Anna Meiners vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Die Hamburger Kanzleien Ronald Richter und Dornheim vertreten rund  30 Pflegeheime im Norden, die sich gegen die Notenveröffentlichung wehren. Die zuständigen Krankenkassen wollen einer Klage zunächst aus dem Wege gehen und die  Einwände der rebellierenden Heimträger genau prüfen. Sie haben sich daher mit den Anwälten verständigt, vorerst die Veröffentlichung auszusetzen. Ein Ersatzkassensprecher in Kiel rechnet jedoch damit,  dass es auch nach der  Prüfung in vielen Fällen unterschiedliche Meinungen über die Qualität der Einrichtungen geben werde: "Dann sind Gerichtsverfahren notwendig, um die Ergebnisse öffentlich zu machen."


 

Leserkommentare

 
NORBY22 22.12.2009 09:02
Was soll das?

Typisch! Die Einrichtungen werben ohne Ende. Die Pflegebedürftigen stellen sich dort ein und werden behandelt wie der letzte Abschaum der Menschheit. Für zig tausende EUROs im Monat.
Nun lassen die nicht mal zu, daß die Heime bewertet werden.
Fazit: Die meisten Heime haben mehr Müll zu verstecken als unsere 'lieben' Politiker.
Heimleiter etc. SCHÄMT euch!!
Schulnote: 6-

CARO 22.12.2009 09:15
Warum wohl ?

Warum wohl soll das nicht öffentlich erscheinen ? Es ist einfach nur noch schäbig und menschenunwürdig was in den Heimen abgeht. Ich arbeite selbst dort. Es ist erschreckend! Viel zu wenig Personal und immer noch Stellenabbau ! Nur noch Profit schlagen. Ich hoffe, die Heime können die Veröffentlichung nicht verhindern. Das ist ein Skandal.

WECHSELWÄHLER 22.12.2009 10:29
Angehörige, geht auf die Barrikaden!

Armes Deutschland. Ich erinnere mich an den Fall einer Altenpflegerin in Bayern, die aus Gewissensgründen die Mißstände in ihrer Einrichtung öffentlich machte. Wohlgemerkt, NACHDEM sie erfolglos die Heimleitung auf diese Mißstände hingewiesen hat, ohne dass diese abgestellt wurden.

Fazit: ihr wurde fristlos gekündigt.

Natürlich wehrte die Kollegin sich gegen diesen Rauswurf, bis hin zum Landesarbeitsgericht Bayern. Ergebnis: die Kündigung war rechtens, die Altenpflegerin hatte gegen ihre "Loyalitätspflicht" verstoßen.

Wenn es jetzt auch noch gelingt, gerichtlich den MDK mundtot zu machen, kann ich mich nur wiederholen: ARMES DEUTSCHLAND!

SUD 22.12.2009 10:34
Umkehrschluss

Ein Heim, welches nichts zu verbergen hat, hat m. E. keinen Grund gegen eine Veröffentlichung der Noten vorzugehen.
Bedeutet im Umkehrschluss: Die Heime, deren Bewertung noch nicht einsehbar ist, sind offenbar mit Vorsicht zu genießen.

ALTENPFLEGER 22.12.2009 10:53
Schlimmer als im Gruselfilm

Transparenz wäre jetzt doch die beste Werbung! Oder?
Dann fragt man sich doch warum denn so viele dagegen sind???!!!!
Kann da ein gutes Buch empfehlen, vielleicht nicht gerade zu Weihnachten verschenken, denn wenn man das liest bekommt man negative Gänsehaut und Angst vorm ALT werden!
" Todgepflegt und abgezockt"
(Markus Breitscheidel)
Kann nur den Angehörigen raten gut auf die Verwandschaft aufzupassen, denn die selbst trauen sich meist nicht!

STAUNER 22.12.2009 11:25
Aufstand der Seniorenheime

IUnbestraft dürfen Insider im Rundfunk erzählen, daß, Zitat: ... im Gesundheitswesen der »Gewerbsmäßige Betrug Gang und Gäbe ist«. Die Seniorenheime sollten alles dafür tun, um Schaden abzuwenden, und sich vom übrigen Gesundheitswesen abzugrenzen. Dazu gehört Transparenz.

HOLGER RÜTH 22.12.2009 12:51
Wer sich verteidigt, klagt sich an !

Sollte noch irgendjemand Zweifel an der Berechtigung dieser schlechten Prüfungsergebnisse gehabt haben, so müßten diese nach dieser Anwaltsmasche endgültig beseitigt sein. Statt die horrenden Einnahmen dieser Profitcenter in die Verbesserung der beanstandeten Pflegemängel zu investieren werden davon nun teure Anwälte bezahlt. Pfui Teufel.

ENKELIN 22.12.2009 13:06
Seniorenheime

Meine Oma ist 2004 in ein Seniorenheim gekommen. Als ich sie in ihrem kleinen dunklen Zimmer besucht habe, wollte ich Ihre Sachen in eine Kommode legen. Als ich sie öffnete bekam ich einen gehörigen Schreck. In der Kommode lagen noch die privaten Gegenstände (von A-Z) von den Omas und Opas, welche vorher wohl in diesem Bett gelegen haben. Des weiteren gab es Abendbrot zwischen 16.30 – 17.00 danach wurde das Licht gedimmt und ein Radio angestellt.
Daraufhin wurde meine Oma (von meinem Onkel) in ein anderes Seniorenheim verlegt. Hier wurde sich mehr um die Senioren gekümmert. Die Zimmer waren hell und einladend. Jedoch denke ich, dass viele Senioren unter dem Zeitmangel des Pflegepersonals leiden müssen. Da mir nach ein paar Tagen aufgefallen war, das sie immer schwächer wurde und ihre Zunge aufgedunsen und rissig war. Sie konnte die Nahrung aus Schwäche nicht mehr selbstständig zu sich nehmen und litt auch unter Flüssigkeitsmangel. Dem Pflegepersonal habe ich Bescheid gegeben, aber es wurde nicht dementsprechend reagiert. (Meiner Meinung nach) Auch meine täglichen Besuche, wo ich ihr zu trinken und zu essen gegeben habe, haben leider nicht geholfen.
Eines Mittags, war alles anders. Ich habe gemerkt, dass hier was passieren wird. Da meine Oma nicht mehr die Kraft zum sprechen hatte, habe ich ihr gesagt. Dass ich weiß, dass es nun wohl soweit ist und sie sterben wird. Sie solle sich nicht weiter quälen und ihren Weg gehen. Ich wäre zwar unendlich traurig, aber nicht böse auf sie. Sie drückte meine Hand leicht und ich verabschiedete mich.

Abends bekam ich dann den Anruf, dass ich sofort kommen solle. Ich kam ca. 6 Min zu spät.
Diese Gedanken belasten mich noch heute, verfolgen mich fast täglich und ich frage mich:

Hätte ich mehr tun können?

C.P. 22.12.2009 13:31
Pflegeheime

Nun ist es mal wieder soweit. Die Heime stehen im Fokus der Medien und somit der Öffentlichkeit.
Der tägliche Wahnsinn wird sich aber den Kontrolleuren des MDK auch nicht vollständig gezeigt haben.
Nach über einem Jahrzehnt Berufserfahrung als Rettungsdienstmitarbeiter könnte man Geschichten erzählen, die sicherlich Einladungen bei Kerner, Jauch und Co. nach sich ziehen würden.

Größtenteils ist das Personal alleine von der Vorhaltung nicht in der Lage den Anforderungen gerecht zu werden. Allerdings ist auch der Ausbildungs- und Wissensstand dieser Mitarbeiter oftmals unglaublich schlecht.

Oft genug kann die Leitstelle nur vermuten, um welchen Notfall es sich handeln könnte, da die "Pflegekraft" dies nicht benennen kann.

Wie die Bewohner dahinvegetieren und wie in einem Heim, welches für seine Demenzkompetenz wirbt, mit den Bewohnern umgegangen wird ist erschreckend!

Eine der "Hilfsorganisationen" mit drei Buchstaben wirbt öffentlichkeitswirksam oft und damit teuer im FT mit ihren Heimen und gerade die sind es, in die ich einen Angehörigen niemals bringen würde.
Die Bezahlung der Mitarbeiter, die Einsparung von Arbeitsplätzen durch den Einsatz von Zivis (was endlich bald nicht mehr rentabel ist) und der durch Frustration und sicher auch Burnout bedingte Umgang mit den Bewohnern steht nicht "im Zeichen der Menschlichkeit"!!

Ich will an dieser Stelle nicht noch weiter ausholen, hätte aber nicht übel Lust viele Erlebnisse niederzuschreiben und zu veröffenlichen.
In die jetzige öffentliche Diskussion setze ich nämlich leider nicht viel Hoffnung.

Im Sinne der Patienten kann man nur hoffen, dass sich endlich ein durchgreifendes Kontrollsystem etabliert, welches auch Konsequenzen nach sich zieht.

HELICOP2 22.12.2009 14:55
Respektlosigkeit

Es ist eine wirklich unbeschreibliche Respektlosigkeit gegenüber unser gesellschaftlichen Generation, die mit einen Teil dazu beigetragen haben, dass unser Land aus den Nachkriegswirren herauskam und zu dem wurde was es heute ist. Heute, wo sie eigentlich die Hilfe der heutigen Generation verdient haben, ließt und erfährt man immer wieder von zahlreichen Mißständen in Seniorenheimen. Es ist eine Schande wie dort mit diesen Menschen durch Menschen umgegangen wird. Und gleichzeitig verlangen diese Einrichtungen sehr hohe Gebühren. Ich finde es gut das diese Internetseite geschaffen wurde. Kritiker haben etwas zu verbergen. Wer für das erhaltene Geld aufrechte und ehrliche Arbeit an unserer älteren Generation leistet, der wird auch dieses Bewertungssystem nicht fürchten. Diese weitere Kontollfunktion solcher Einrichtungen war lange überfällig.

ADOLF EBEL 22.12.2009 19:08
C.P. Pflegeheime

Hallo C.P. warum sprechen Sie es nicht aus. Nennen Sie doch mal Ross und Reiter. Mit ihren 3 Buchstaben kann man ja wohl
nichts anfangen. Wenn Sie mich fragen nenne ich Ihnen gleich 3 Stück, A--, D--, A--.
Ich besuche öfter hier in Flensburg Altersheime und Pflegeein-richtungen und habe nie so gravierende Mängel genannt bekom-
men, es gibt also solche und solche. Wenn es Mängel gibt, dann sprechen sie mit der Einrichtungsleitung und wenn das nichts fruchtet wenden Sie sich an die zuständige Aufsichtsbehörde.
Eines ist sicher das Personal ist mit dem geforderten Papierkram
überfordert. Ich habe mit den Einrichtungen weder dienstlich noch
privat zu tun. Ich bin Rentner, 75 jahre alt und habe das Glück mit meiner Frau noch zu Hause wohnen zu können.
P.S. Mein Enkel (19 Jahre alt) hat gerade am 18.12. ein 3 wöchi- ges Praktikum bei einer Einrichtung einer Hilfsorganisation mit
3 Buchstaben beendet und hat bedauert das die Zeit so schnell
um war und möchte gerne diesen Beruf erlernen. Also es gibt solche und solche. Allen ein schönes Fest Adolf Ebel

ADOLF EBEL 22.12.2009 19:09
C.P. Pflegeheime

Hallo C.P. warum sprechen Sie es nicht aus. Nennen Sie doch mal Ross und Reiter. Mit ihren 3 Buchstaben kann man ja wohl
nichts anfangen. Wenn Sie mich fragen nenne ich Ihnen gleich 3 Stück, A--, D--, A--.
Ich besuche öfter hier in Flensburg Altersheime und Pflegeein-richtungen und habe nie so gravierende Mängel genannt bekom-
men, es gibt also solche und solche. Wenn es Mängel gibt, dann sprechen sie mit der Einrichtungsleitung und wenn das nichts fruchtet wenden Sie sich an die zuständige Aufsichtsbehörde.
Eines ist sicher das Personal ist mit dem geforderten Papierkram
überfordert. Ich habe mit den Einrichtungen weder dienstlich noch
privat zu tun. Ich bin Rentner, 75 jahre alt und habe das Glück mit meiner Frau noch zu Hause wohnen zu können.
P.S. Mein Enkel (19 Jahre alt) hat gerade am 18.12. ein 3 wöchi- ges Praktikum bei einer Einrichtung einer Hilfsorganisation mit
3 Buchstaben beendet und hat bedauert das die Zeit so schnell
um war und möchte gerne diesen Beruf erlernen. Also es gibt solche und solche. Allen ein schönes Fest Adolf Ebel

C.P. 23.12.2009 03:35
Herr Ebel

Alle Hilfsorganisationen in Deutschland kürzen sich mit drei Buchstaben ab und in FL betreiben nur zwei davon Pflegeheime und "im Zeichen der Menschlichkeit" nur eine. Dafür, dass Sie diese regelmäßig besuchen, haben Sie wenig Sachkenntnis.
Das Personal ist nicht nur mit dem geforderten Papierkram überfordert, das Personal ist oftmals schon mit der deutschen Sprache überfordert.
Da Sie ja als Laie den Einblick zu haben scheinen, brauchen Sie ja keine Angst zu haben in einer solchen Einrichtung zu landen. - Ich wünsche es Ihnen allerdings nicht!

Als Laie lässt man sich sicherlich leicht blenden, dies gilt auch für einen 19 jährigen ohne Sach- und Fachkenntnisse.
Den täglichen Wahnsinn in (Flensburgs) Pflegeheimen möchte ich hier nicht weiter beschreiben. Die Wichtig- und Richtigkeit einer konsequenten Kontrolle von Heimen soll hier hervorgehoben werden! Und bei entsprechenden Ergebnissen müssen endlich Konsequenzen folgen!

JOCHEN 23.12.2009 07:36
Kontrolle für Qualität?

Ich persönlich bin sehr für die Kontrollen UND deren Veröffentlichung. Der Druck der dadurch entsteht, könnte vielleicht Positives bewirken. Könnte. Denn wenn die Berichte nur dazu führen, dass noch mehr Druck auf die Heimmitarbeiter ausgeübt wird, wird sich nichts ändern. Man kann Qualität weder verordnen noch in eine Einrichtung hineinkontrollieren. Nicht, bei diesen teils extrem schlechten Rahmenbedingungen. Es wird sich nur dann etwas verbessern, wenn bei Auffälligkeiten direkt der BETREIBER Probleme bekommt. D.h. es muss Geld kosten, schlecht zu sein, die Mitarbeiter mies zu bezahlen etc. pp. . NUR dann wird sich etwas ändern. Alles andere führt nur dazu, dass schnellstens das "Qualitätsmanagement" in einer Einrichtung dafür sorgt, dass Mängel fachgerechter versteckt werden. Dann wird getan und gemacht, um die nächste Kontrolle besser zu überstehen - und nicht etwa um etwas für die Heimbewohner zu verbessern. Das ist ein großer Unterschied. Im Augenblick bedeuten die Ergebnisse der Prüfungen doch nur noch mehr Papierkram für die Heimmitarbeiter.

HARALD BLAUZAHN GORMSSON 23.12.2009 11:25
Qualitätskontrolle

Die Krankenkassen und die Pflegekasse überweisen Tag für Tag Millionen an die Heime - da haben die wohl ein Recht auf Qualitätskontrolle und die auch die Pflicht, ihren Mitgliedern und Beitragszahlern darüber Bescheid zu geben.Warum ist eigentlich der Standard in SH so viel schlechter als im übrigen Bundesgebiet ? Die Landespolitik sollte sich da kräftig einmischen. Wenn aber Wohlfahrtsverbände und Parteien so eng miteinander - teilweise in Personalunion - verbandelt sind, ist es kein Wiunder, dass hier getrixt und gechoben wird - zum Leidwesen der Alten.



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