Antonio Vivaldi im neuen Gewand

19. Mai 2010 | Von Sylvia Meisner-Zimmermann


Begeisterte das Publikum mit "Ave Maria": Lasse Jessen auf der Posaune und Dirigent Hans-Jürgen Schreiber. Foto: Meisner-Zimmermann

Zum Auftakt der neuen Konzertsaison brachte das Ostseeorchester Schwedeneck Proben des seit Jahresbeginn einstudierten Programms mit nach Gettorf: Am Sonntag zeigten gut 20 Bläser in der St.-Jürgen-Kirche, welche ungewohnte Musik sie ihren Blasinstrumenten zu entlocken wissen. Unter Leitung von Hans-Jürgen Schreiber und mit Unterstützung eines Schlagzeugs im Hintergrund gab es klassische Musik in unerwarteter Form - klassische Werke von Mozart, Vivaldi, Grieg, Chopin; Bach und Schubert für rhythmisch gestimmte Bläser.

Dem Komponisten Chopin zu Ehren war dessen bekanntes Stück "Tristesse" bearbeitet worden und wurde in der neuen Lautstärke und kräftigen Darbietungsweise zu einer Neubegegnung. Ebenso neu und ungewohnt kam Musik des venezianischen Komponisten Antonio Vivaldi daher - berühmte Tonfolgen, Passagen zum Mitsingen bekannt, waren nun in "Vivaldi-Time" umgeformt, verknüpft mit Jazzelementen, viel starkem Rhythmus und Swing. "Vivaldi inkognito", ausgestattet mit Volksliedhaftem und in manchen Passagen wie eine Aufforderung zum Tanz. "Alles neu macht der Mai" - und so zeigte sich auch Vivaldi im neuen Gewand. Vielen Konzertbesuchern gefiel es.

Das Solo in einem Satz von Mozarts Hornkonzert hatte es schwer, auf die Welt zu kommen. Dagegen erhielt Lasse Jessen großen Applaus: Er blies auf der Posaune das "Ave Maria" von Schubert so schlackenrein und überzeugend, so samtweich und gekonnt - da ging wohl jedem Zuhörer das Herz auf.

Nicht leicht, wenn ein Blasorchester bekannte Stücke der klassischen Musikliteratur bringt und dabei mit der eigenen Interpretation den Hörgewohnheiten der Zuhörerschaft nicht immer gerecht werden kann. Die "Kleine Nachtmusik" ist halt die "Kleine Nachtmusik", und nur wenig kann sie verbessern. Bei einem anschließenden Querbeet-Potpourri durch Mozarts Garten war dann aber Freude angesagt - hier passte alles: Rhythmus, Konzentration und Musikalität. Hier hatten alle wieder die sichere Fahrbahn erreicht und erhielten für ihr gutes Zusammenspiel anerkennenden Applaus.

Am Sonntag, 23. Mai, ist das Ostseeorchester in der Krusendorfer Kirche zu hören. Der Eintritt ist frei. Der Erlös aus Spenden kommt zu gleichen Teilen der Kirchengemeinde und der Nachwuchsarbeit des Ostseeorchesters zugute.

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