Streit um Moschee: Der Widerstand formiert sich

20. August 2009 | 04:50 Uhr | Von Jan F. Schönstedt

Der Ruf des Muezzin soll mit Hilfe einer Unterschriften-Aktion verhindert werden. Anwohner fürchten den zusätzlichen Lärm. Laut Verwaltung kann die Aktion aber gar keinen Einfluss auf die Genehmigung nehmen.

Lärmbelästigung? Mit einer Unterschriftenliste soll verhindert werden, dass der Muezzin von den Türmen der Moschee zum Gebet ruft. Foto: Schönstedt

Lange war es ruhig um die Rendsburger Moschee. Es schien so, als gebe es keine Gegner. Doch jetzt formiert sich Widerstand. Mit einer Unterschriften-Aktion wollen Volkhard von Bonin und Hubert Scheiding den Gebetsruf des Muezzin verhindern. Unterstützt werden sie dabei nach eigenen Angaben von einer Handvoll Mitstreiter. "Der Anspruch zur freien Religionsausübung ist mit dem Bau der Moschee bereits voll erfüllt. Wir akzeptieren aber nicht den mehrmals täglich geplanten öffentlichen und lautsprecherverstärkten Gebetsruf", betonten die Initiatoren. Dieser steigere die durch Eisenbahn- und Straßenverkehr ohnehin sehr hohe Lärmbelästigung in dem Wohngebiet. Ab sofort sollen die Unterschriften gesammelt werden. Ziel ist es, innerhalb von vier Wochen 500 bis 1000 Unterschriften an die Stadt Rendsburg zu übergeben.

Eingangs der Pressekonferenz, auf der von Bonin und Scheiding ihre Pläne vorstellten, betonen beide, ihnen gehe es lediglich um die Vermeidung einer zusätzlichen Lärmquelle. Die Religion spiele dabei überhaupt keine Rolle. In ihrer Erklärung für die Ablehnung werden während des Gesprächs jedoch immer wieder auch andere Gründe genannt. "Im Gegensatz zu Kirchenglocken vermittelt der Gebetsruf einen Inhalt. Der Muezzin verbreitet grundlegende islamische Dogmatik", kritisierte Scheiding beispielsweise. Angesprochen auf die einleitenden Worte, antwortete er: "Das lässt sich nicht trennen." Um die wahren Gründe werde häufig wie um den heißen Brei herumgeeiert. Sie seien aber bemüht, den Schwerpunkt nicht auf die politische Seite zu legen. Zumindest vorerst. Denn sollten sie mit ihrem Vorhaben scheitern, so wurde es im Gespräch deutlich, sind beide auch bereit, die "politische Karte" zu spielen, um zum Erfolg zu kommen.

Auch eine Klage ist denkbar

Direkten Kontakt mit dem Islamischen Zentrum haben die Moschee-Nachbarn bezüglich des Gebetsrufs noch nicht aufgenommen. "Mit uns hat ja auch niemand über die Pläne gesprochen", sagten die Initiatoren. Bei einem Scheitern ziehen sie eine Klage in Erwägung, um den jeweils etwa dreiminütigen Ruf des Muezzin über Rendsburg und Büdelsdorf zu verhindern.

Ziel der Unterschriften-Aktion ist es, die Rendsburger Verwaltung dazu zu bewegen, den Gebetsruf zu verbieten. Doch dort ist man mehr oder minder erstaunt. "Wir haben darauf keinen Einfluss", betonte Günter Dahl auf Anfrage der Landeszeitung. Der stellvertretende Bauamtsleiter erklärte, dass ein Lärmgutachten ausschlaggebend wäre. "Wenn die sich daraus ergebenen gesetzlichen Richtlinien eingehalten werden, haben wir weder Grund noch irgendeine Handhabe, den Ruf zu untersagen", erläuterte Dahl.

Muslime sind gesprächsbereit

Wann das Gutachten vorliegt und der Muezzin per Lautsprecher von den 26 Meter hohen Minaretten ruft, ist noch völlig unklar. Das Islamische Zentrum hat das Gutachten noch gar nicht in Auftrag gegeben. "Uns fehlt zurzeit das Geld dafür", sagte der stellvertretende Vorsitzende Mercan Mergen. Grundsätzlich wolle man aber gemäß der vom Lärmgutachten vorgegeben Richtlinien den Muezzin rufen lassen. "Bislang gab es für uns auch noch keinen Anlass, anders zu verfahren. Von Widerstand dagegen höre ich jetzt das erste Mal", betonte Mergen im Gespräch mit der Landeszeitung.

Sollte sich aber zeigen, dass Anwohner damit ein Problem haben, wäre das Islamische Zentrum gesprächsbereit. "Man muss Rücksicht aufeinander nehmen. Wir hatten bisher keinen Ärger mit unseren Nachbarn und wollen das auch in Zukunft nicht. Es wird sich mit Sicherheit ein Kompromiss finden lassen."


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