Altkleider nur ein Deckmantel für Tierfänger ?

30. Januar 2009 | Von Birger Bahlo

Mit dubiosen Angaben wirbt ein Verein um Altkleider. Tierschützer warnen vor dem Club.

Besser vor Ort spenden: Karin Schüßler, Leiterin des Textilbereichs bei der Awo, zeigt eine Auswahl warmer Winterjacken. Foto: Bahlo

Das angegebene Spendenkonto gibt es gar nicht. Auch Adresse und Telefonnummer sind frei erfunden. Auf höchst dubiose Weise kündigte ein "Club für Behinderte in Brasilien" dieser Tage mit Handzetteln eine Altkleidersammlung im Stadtgebiet an. Heiko Strang hatte ein solches Blatt im Briefkasten und alarmierte die Redaktion unserer Zeitung. Seines Wissens waren die Zettel in etlichen Stadtvierteln aufgetaucht.

Aus zwei Gründen riet er davon ab, dieser Organisation zu spenden. Erstens komme die Hilfe nicht den Bedürftigen vor Ort zu Gute. Kleiderspenden könnten unter anderem im Sozialkaufhaus der Arbeiterwohlfahrt oder im Sozialladen des Deutschen Roten Kreuzes abgegeben werden. Zweitens fand Strang in Internetforen Hinweise darauf, dass der "Club für Behinderte in Brasilien" unter dem Deckmantel seiner Sammlungen auf Grundstücken Haustiere einfängt.

Diesen Verdacht bestätigt gegenüber unserer Zeitung Holger Sauerzweig-Strey, Vorsitzender des Tierschutzvereins Itzehoe und Kreis Steinburg und Landesvorsitzender der Tierschützer. Er verweist auf eine Expertin in seinem Verband, die aus Sorge vor Attacken von Tierfängern ungenannt bleiben möchte. Sie führt seit Jahren eine Datenbank, um Zusammenhänge zwischen kommerziellen Altkleidersammlungen und vermissten Tieren aufzuspüren. Das wichtigste Ergebnis: 80 Prozent aller Vermisstenmeldungen ließen sich tatsächlich zeitlich und räumlich solchen Sammlungen zuordnen. Augenzeugen für einen solchen Zusammenhang fehlen aber bislang, schränkt die Frau ihre Studien selbst ein.

Was den "Club für Behinderte in Brasilien" betrifft, gibt es ein klares Signal aus Rheinland-Pfalz. Die Spendenaufsicht des Landes hat dem Verein und seinen kommerziellen Partnern ihre Aktivitäten verboten.

Hier in Steinburg gelte das allgemeine Ordnungsrecht, erklärt Bruno Wolgast, Leiter des Kreis-Ordnungsamtes. Demnach "verletzt jede Unregelmäßigkeit die öffentliche Sicherheit". Er vermisse allerdings ein spezielles Recht, um "schwarzen Schafen" das Handwerk legen zu können. Doch kommerzielle Kleidersammler hätten seit eh und je ohne Genehmigung auftreten können. Sie bräuchten nur einen Reise-Gewerbeschein.

Erst kürzlich waren Sammler dubioser Organisationen mit ihren Spendendosen im Stadtgebiet aufgefallen. Als sie plötzlich vor einem Wachmann im Holstein-Center standen, flüchteten sie zu ihrem Fahrzeug. Sie nutzten die neue Rechtslage aus:

Seit Januar sind Straßensammlungen nicht mehr genehmigungspflichtig (wir berichteten). Bis dahin hatten Mitarbeiter des Itzehoer Amtes für Bürgerdienste ein Auge auf Sammler und Erlöse. Zukünftig müsse jeder selbst hinschauen, wem er spendet, erklärt ein Sprecher des Innenministeriums.


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