Prozess gegen SMS-Abzocker

Alptraumrechnung statt Traumpartner

17. September 2009 | 17:35 Uhr | Von Karen Katzke, dpa

Der Angeklagte Dirk v.W.im Kieler Landgericht. Foto: dpa

Mit Flirt-SMS-Abzocke sollen Betrüger aus Flensburg und Kiel insgesamt 46 Millionen Euro erbeutet haben. Jetzt müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Die Leute suchten per SMS-Chat ihren Traumpartner, doch sie wurden abgezockt: Über ein Firmengeflecht von 350 Unternehmen im In- und Ausland sollen die Chat-Betreiber ihre Kunden um etwas mehr als 46 Millionen Euro betrogen haben. Seit Donnerstag stehen deswegen drei mutmaßliche Betrüger und drei Strohmänner vor dem Kieler Landgericht. Bundesweit sollen sie rund 700.000 Handy-Nutzer geschädigt haben. Die Anklage wirft ihnen gemeinschaftlichen gewerbsmäßigen Bandenbetrug oder Beihilfe dazu vor. Die sechs Hauptangeklagten, jeweils eingerahmt von zwei Verteidigern, schwiegen am ersten Prozesstag zur Anklage. Stattdessen bombardierten ihre Anwälte das Gericht über Stunden mit Anträgen.

Die Staatsanwältinnen Maya Schönfeld und Frauke Jaeschke sehen drei Angeklagte als Drahtzieher. Sie werfen ihnen vor, von Flensburg und Kiel aus mit dem Firmengeflecht die Kunden bewusst getäuscht zu haben. Unter diesem Verdacht sitzen die drei seit Dezember 2008 in Untersuchungshaft. Sie wirkten vor Gericht auffallend blass. Die drei anderen Angeklagten sollen Beihilfe zur Verschleierung geleistet haben. Im Kern geht es in dem Verfahren darum, ob die Kunden vorsätzlich über die fiktive Identität ihrer Chat-Partner getäuscht wurden - das wäre laut Anklage Betrug. Oder hätten sie wissen müssen, dass der Chat-Partner am anderen Ende gar nicht existiert, sondern kostenpflichtige Dienstleistungen bietet?

Ein Opfer zahlte 25.115,79 Euro

Die Staatsanwältinnen schilderten 45 Minuten lang, wie das Betrugs-System funktioniert haben soll. Die Kunden seien durch Anzeigen in kleinen Lokalzeitungen, Lock-Mails oder massenhaft verschickte SMS-Spam dazu verleitet worden, über teure Kurzwahl- Rufnummern mit möglichen Partnern im Chat zu flirten. Die Anklage nannte die Namen von 53 Geschädigten. Kleinster Schaden 199 Euro - der größte 25.115,79 Euro, die eine Frau innerhalb von acht Monaten für 12.621 SMS gezahlt haben soll.46

Den Kunden antworteten aber keine realen Partner, sondern gut geschulte, professionelle Animateure mit fiktiven Identitäten. Die wurden überwacht und mit Prämien belohnt, wenn sie das erklärte Geschäftsziel erreichten: "Die Kunden zum Versenden möglichst vieler kostenpflichtiger SMS zu verleiten", so die Anklage. Pro SMS an die Kurzwahl-Nummern wurden 1,99 Euro fällig. Aufgabe der Animateure: "Den Kunden dazu bringen, sich zu verlieben und hierdurch eine möglichst rege und langandauernde Kommunikation zu erreichen", erklärten die Staatsanwältinnen. Dazu vereinbarten die Animateure mehrfach sogar richtige Treffen. Die Kunden hätten jedoch nichts geahnt und vergeblich am Treffpunkt gewartet.

0,50 Euro bis 1,10 Euro pro SMS kassiert

Die großen Netzbetreiber kassierten laut Anklage zwischen 0,50 Euro und 1,10 Euro pro SMS. Sie hätten auch den Kunden die gesendeten SMS in Rechnung gestellt, ihren Anteil einbehalten und den Rest an die Betreiber überwiesen. "Die sind nicht angeklagt", meinte dazu lakonisch einer der zwölf Verteidiger.

Die Verteidiger versuchten vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer vergeblich, unter anderem die Aussetzung und Einstellung des Verfahrens zu erreichen. Sie kritisierten besonders, dass die Staatsanwaltschaft in der Anklage nur 53 Geschädigte genannt habe, zu den weiteren Daten und Fakten aber keine Angaben mache. Scharf rügten sie zudem mangelnde Akteneinsicht.

Die Verhandlung soll am kommenden Donnerstag fortgesetzt werden. In einem weiteren Verfahren müssen sich außerdem demnächst vier andere Angeklagte verantworten. Gegen mehr als 200 Beschuldigte laufen noch Ermittlungen.


 

Leserkommentare

 
YVONNE 30.10.2009 22:41
Alptraumrechnung statt Traumpartner

Also ich muss ja mal sagen, die leute die auf solche sms fuer 1,99 antworten, haben doch auch nicht mehr alle latten am zaun!!! Wie doof muss man den sein, um auf sowas rein zufallen! Jeder einiger massen normaler, weiss das es nicht ne reale person ist !!! deswegen sind die , die auf so was geantwortet haben in meinen augen selber schuld, und haben ehh nichts in der Birne !!!



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