Demonstration in Flensburg

Studenten-Protest gegen verschulte Uni

17. November 2009 | 18:00 Uhr | Von Marco Sönksen

Vorfahrt für Lehre und Forschung? An der Flensburger Zob-Kreuzung vorbei zog der Demonstrationszug in die Fußgängerzone. Foto: Marcus Dewanger

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Zu verschultes Studium, zu viele Prüfungen, stupides Auswendiglernen, überbelegte Lehrveranstaltungen: Flensburgs Studenten setzen sich gegen die Studienbedingungen auf dem Campus zur Wehr.

Rund 350 Studenten haben ihrem Unmut am Dienstag bei einer zweistündigen Vollversammlung im Audimax auf dem Flensburger Sandberg und einem anschließenden Demonstrationszug in die Innenstadt Luft gemacht. "Durchschnittlich hat man neun Prüfungen, die sich am Ende des Semesters stauen. Es gibt keine Auswahlmöglichkeiten mehr bei den Kursen, die Seminare sind überbelegt, selbst Pflichtveranstaltungen kann man teilweise nicht mehr belegen", beschreibt Jens Mohr, Student im fünften Semester, die Lage an der Universität. Er studiert Vermittlungswissenschaften. Wie viele seiner Kommilitonen sieht er die zunehmende Verschulung vor allem des Bachelor-Studiums an der Uni als großes Problem. Ihr Protest führte die 350 studierenden Demonstranten Hand in Hand als singende und hüpfende Menschenkette quer durch die Innenstadt vom Flensburger Norder- bis zum Südermarkt.

Die Ursachen für die in ihren Augen deutliche Verschlechterung der Studiensituation sehen die Studenten aber nicht nur in der schlechten finanziellen Ausstattung der Uni Flensburg. Für sie ist vor allem  die Umsetzung  des sogenannten Bologna-Prozesses gescheitert, also die Vereinheitlichung des Studiums innerhalb der EU.

Viele Studenten sehen ein Hauptproblem in der Verkürzung ihrer Studienzeit

 

In der Praxis führe dies in Verbindung mit der Länderhoheit im Hochschulsektor  zu immer mehr Einschränkungen in der Mobilität, erklärte Katrin Sauerwald vom Referat für Hochschulpolitik der Uni: "Im Bologna-Prozess gab es einige coole Ideen, aber viele wurden nicht umgesetzt. Heute kann ich nicht mal von Flensburg nach Kiel wechseln", schimpfte sie.

Neben der eingeschränkten Mobilität sehen viele Studenten ein Hauptproblem in der Verkürzung ihrer Studienzeit. Bei der Frage jedoch, ob sie  etwas mit ihrem Protest erreichen können, gaben sich die Studenten skeptisch. "Der Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung ist in  Sachen Bildung äußerst nebulös", findet Jan Hinrich Haake vom Asta, der Studentenvertretung.   Asta-Chefin Hannah Thierau zog  dennoch ein positives Fazit: "Ich bin begeistert, dass so viele trotz des schlechten Wetters kamen".


 

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