100 Jahre Kirche in Schinkel
"Wer könnte das sein?" Siegfried Mevs und Christel Schlüter bei der Sichtung alter Fotos, die zum Kirchenjubiläum gezeigt werden sollen. Foto: Meise
"Es muss sehr schön gewesen sein", sagt Christel Schlüter mit Blick auf das Schwarz-Weiß-Foto der Konfirmanden, die in der Kapelle in der Schule ihren Segen erhielten. Siegfried Mevs kann da nur zustimmen. Er selbst wurde in der Kapelle konfirmiert, mit deren Bau vor 100 Jahren die Geschichte der Kirche in Schinkel begann.
"Zur Einschulung war ich das erste Mal drin", berichtet Mevs. "Das war wie eine Entführung in ein besonderes Reich, eine völlig andere Welt", schildert er seine Eindrücke als Schuljunge. Der waabenförmige Raum hatte einen gewölbten Himmel in Blau mit goldenen Sternen. An den Wänden hingen goldene Lampen, und die Fenster zierten Malereien, wie sie noch heute in der St.-Jürgen-Kirche in Gettorf zu sehen sind. "Eine Orgel gab es nicht, aber ein ächzendes Harmonium, auf dem Otto Siegmund spielte", erzählt Mevs, der mit Christel Schlüter dem Festausschuss des Kirchenvorstands angehört, der die Feier des Jubiläums der Kirche in der nächsten Woche vorbereitet.
Sie tauchten in die von Fritz Danielson verfasste Chronik über die Gemeinde ein, in der sie wertvolle Informationen zur Kirche fanden, und in Kirchenbücher. "Das war spannend", sagt Mevs über die Recherchearbeit. Der Sohn von Hans Görschen, der nicht nur die Schule leitete, sondern auch gern fotografierte, stellte ihnen Fotos und Dokumente aus dem Fundus seines Vaters zur Verfügung. "Das war ein Glücksgriff", erklärt Mevs fasziniert. So entstand ein Bild von der Vergangenheit - angefangen 1910, als den Gemeindemitgliedern noch drei Stunden Fußweg zu den Hauptkirchen in Gettorf und Krusendorf zugemutet wurden, was besonders im Winter beschwerlich und abenteuerlich war. Lehrer Horn und Gutsbesitzer Freiherr von Weber machten sich für den Bau der Kapelle stark, für den viel gespendet wurde - Steine von einer Ziegelei, ein Altar vom Freiherrn. So konnte die Kapelle mit dem Bau der Schule entstehen. Anfangs gab es dort einmal im Monat einen Gottesdienst, für den der Pastor mit Pferd und Wagen aus Gettorf abgeholt wurde. "Die Gemeinde hatte für die Feuerung zu sorgen, so dass die Kapelle warm war", hat Mevs herausgefunden.
Die Kirchengemeinde wuchs, und 1925 wurden das Pastorat sowie Land für den Friedhof angekauft. 1927 wurde beides geweiht, eine Pfarrstelle wurde eingerichtet, so dass von da an ein Pastor im Ort war. Der erste war Pastor Petersen, es folgten die Kollegen Dahlgrün, Steffen, Schröder und Brummack. Reinhard von Kirchbach, der später Propst wurde, nahm 1949 den Bau einer Kirche in Angriff. Im selben Jahr wurde Schinkel ein eigener Pfarrbezirk, der für Warleberg, Eckholz, Schinkel und Großkönigsförde zuständig war. 1958 war mit einem Koppeltausch Land für das Gotteshaus gefunden, das mit Unterstützung zahlreicher Landwirte errichtet wurde. Kosten: 52 000 D-Mark. Am 28. August 1959 wurde Richtfest gefeiert. Die Kapelle in der Schule wurde 1962 abgerissen und zum Schulraum umfunktioniert. "Eigentlich schade", sagt Christel Schlüter. Denn in ihrem Stil sei sie ganz anders als die Kirche gewesen, die wegen des heruntergezogenen Dachs im Volksmund auch "Schoopstall" genannt werde, fügt Mevs hinzu. "Ihre Schlichtheit ist beeindruckend. Keine Kirche verkörpert die Weihnachtsgeschichte besser als die in Schinkel", meint Mevs.
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