Betrüger-Pärchen schockt Pferdebesitzer

6. Januar 2009 | Von Wolfgang Blumenthal

Pferdebesitzer im Norden sind entsetzt. Ein Pärchen aus der Nähe von Heide warb um Beistellpferde und machte sich aus dem Staub - mit den Pferden. Der Verdacht: Die Tiere sind verkauft oder sogar geschlachtet worden.

Andrea Witt verlor ihre Stute "Gräfin" Ende 2007 - bis heute ist das Tier verschwunden.

Können Pferde, die alt und krank sind, einfach verschwinden? "Sie können", sagt Andrea Witt (41) aus Neuendeich im Kreis Pinneberg. Sie ist eines von mehreren Opfern von Pferdeprellern in Schleswig-Holstein. "Vorher aber habe ich mir so viel kriminelle Energie nie vorstellen können." Die Neuendeicherin hat ihre 15-jährige Stute als Beistellpferd auf die Weide eines Pärchens in Süderholm bei Heide gebracht. Beistellpferde werden zu anderen Pferden gestellt, damit diese Herdentiere nicht einsam sind. Doch inzwischen ist das Paar weg, und die Stute auch.

Die Neuendeicherin ist nicht das einzige Opfer. Maren Könker (31) aus Hannover wurde offenbar vom selben Paar wie Andrea Witt übers Ohr gehauen. Sie hatte ihren 15-jährigen Wallach "Whisky Sour" in Ostrohe bei Heide einem anderen Pferd als "Weidekumpel" beistellen lassen. Doch auch "Whisky Sour" ist inzwischen verschwunden - und das Pärchen auch für Maren Könker unauffindbar.

Im Internet-Forum jawor-seite.de klagen die Betroffenen ihr Leid, tauschen Informationen aus. Die Masche des Dithmarscher Pärchens war offenbar stets dieselbe: Im Internet sei eine Anzeige geschaltet gewesen. Für einen einsamen Wallach wurde ein Beistellpferd gesucht. "Ich habe im April 2008 meinen kranken Wallach dem Paar in Ostrohe anvertraut. Die wollten sich liebevoll um ihn kümmern und die Kosten für ihn übernehmen", erinnert sich Maren Könker. Ausgemacht war: Besitzerin sollte die Hannoveranerin bleiben. Noch im Mai war alles in Ordnung. "Doch im Sommer brach plötzlich der Kontakt ab, Haus und Hof waren verlassen."

"Anfangs lief alles super"

Da wusste Maren Könker noch nichts vom Schicksal der kranken Stute "Gräfin" von Andrea Witt aus Neuendeich. Die 41-Jährige hatte ihr Tier bereits im Oktober 2007 dem Dithmarscher Pärchen anvertraut. Auf einer Moorweide in Heide-Süderholm. "Anfangs lief alles super, ich habe sie ein paar Mal besucht." Schließlich überließ sie die Stute dem Pärchen - besiegelt mit einem Schutzvertrag. Doch schon drei Monate später wendete sich das Blatt. Sabine K., die Frau des Paares, die überdies ihren Beruf mit Pferdetherapeutin angeben soll, habe signalisiert, dass beide wegen eines Jobs nach Dänemark umziehen müssten. Von da an seien beide nicht mehr erreichbar gewesen, beklagt Andrea Witt. Und ihre Stute verschwunden.

Bei der Justiz sind die Betrügereien bekannt. "Wir haben in mehreren Fällen ermittelt", sagte Carsten-Peter Beck von der Kriminalpolizei in Heide gestern. Die Akten lägen inzwischen bei der Staatsanwaltschaft in Itzehoe. Die hat das Pärchen im Visier und weiß, wo es wohnt, wie Staatsanwalt Dr. Knut Güniker gestern bestätigte. Unter anderem werde wegen Unterschlagung von Pferden ermittelt, jedoch mit Blick auf ein bereits laufendes Verfahren gegen das Betrügerpaar abgewartet. Denn die beiden müssen sich heute vor dem Amtsgericht Meldorf verantworten - wegen Betruges. Sie sollen ein lahmes Beistellpferd als Reittier verkauft haben, so Staatsanwalt Güniker. Überdies seien sie wegen Mietangelegenheiten und Ebay-Betrügereien angeklagt.

Für die Opfer ein schwacher Trost. Sie haben sich zusammengeschlossen, wollen mit Hilfe von Anwälten gegen die Pferdepreller Front machen. "Ganz offen sichtlich hat sich das Betrügerpaar jetzt auch in unserem

Internet-Forum eingeschaltet", sagt Maren Könker. "Die beiden haben sich als Nutzer 'sindweg' registriert und machen sich über uns lustig." Bei Andrea Witt indes wächst inzwischen ein ganz schlimmer Verdacht: "Dass die Tiere an einen ausländischen Schlachter verscherbelt wurden."


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